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Fotografischer Flow in Reinkultur

   Zum Tag der Deutschen Einheit erinnere ich mich jedes Jahr an ein Erlebnis aus meiner „fotografischen Jugend“, das meine Begeisterung für die Fotografie 1989 weiter angeheizt hat. Und dieser Silvesterabend hatte einen nicht unwesentlichen Anteil an meiner späteren Berufswahl.

Stefan Obermeier Fotografie beim ersten Sylvester nach dem Mauerfall am Brandenburger Tor, hier ein historischer Moment auf dem Foto

Die Aufbruchstimmung und Freude der Menschen ist an diesem Abend fast physisch zu spüren. Mir klopft das Herz, ein historischer Moment – und ich mitten drin. Eine halbe Million Menschen dichtgedrängt auf dem Pariser Platz und in den Straßen um das Brandenburger Tor, völlig fremde Menschen fallen einander um den Hals und begrüßen das neue Jahr, das erste nach dem Mauerfall.
Andere klettern auf die Mauer und hämmern die Souvenirs für künftige Generationen von Berlintouristen aus dem „antifaschistischen Schutzwall“ wie die Ostberliner Führung das Bauwerk genannt hatte.
Ich schließe mich einem japanischen Fernsehteam an. Zwei kräftige Bodyguards bahnen den Journalisten den Weg durch die Menge. So komme ich zum ersten Mal nach Ostberlin und sehe die Quadriga auf dem Brandenburger Tor von vorne. Ich klettere auf einen dort abgestellten Wagen, halte die Luft an und versuche meine mechanische Nikon-Kamera so ruhig wie möglich zu halten, um mit langer Belichtungszeit den Zauber des Augenblicks einzufangen.

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